‘Saturn 100 — Hundert Jahre Fraternitas Saturni’


Saturn100. Hundert Jahre Fraternitas Saturni. Eine Festschrift. Albligen: Edition Saturn, 2026. 496 S.

Rezension von Rubri Montanus


Was hier schlicht mit “Eine Festschrift” untertitelt wird, ist ein gut 500seitiges, geschmackvoll aufgemachtes, bibliophiles Werk, das im okkulten Bereich seinesgleichen sucht.

Die Fraternitas Saturni feiert damit ihr nun 100jähriges Bestehen. Die bewegte Geschichte des Ordens wird dabei zwar auch skizziert, nimmt aber nur einen geringen Teil des Werkes ein. Grösseren Wert wird auf die Präsentation der aktuellen Entwicklung und Forschung gelegt.

Was sich hier offenbart, ist eine aktive Gemeinschaft, die durchaus neue Impulse zu setzen weiss und durch ihre intensive Arbeit Wege der Erneuerung aufzeigt, gemäss ihrem Anspruch: “Wegbereiter des neuen Äons” zu sein.

Alle Inhalte werden als bisher unveröffentlichte Arbeiten (so der Rückentext) ausgegeben, was freilich nicht heisst, dass sie sich nicht mit bekannten okkulten Themen, wie z. B. der Elemente- Magie, beschäftigen. Tatsache ist jedoch, dass neue Ansätze aufgezeigt und aktuelle, innovative Praktiken angeboten werden.

Die zahlreichen Autoren präsentieren denn auch einen ganzen Strauss der okkulten Forschungsgebiete. Einerseits gibt es fundiert recherchierte, theoretisch gehaltene Arbeiten, wie z. B. die verschiedenen Kapitel, die mit “Im Überblick” überschrieben werden: eine Mini-Schriftenreihe für sich (siehe unten). Eigene Gedanken und Erkenntnisse, die bis zur Befassung mit Hegels Seinslogik reichen. Andererseits gibt es aber auch Anleitungen zu praktisch durchführbaren Ritualen und Meditationen.

Es lohnt sich, dieses Panoptikum an Beiträgen einer genaueren Revue passieren zu lassen. Beginnend mit dem Vorwort des Grossmeisters, wird schon Lust auf die weiteren Berichte erzeugt. So erfährt man hier, dass die Bruderschaft im vergangenen Jahr (2025) erstmals eine rituelle Vermählung durchgeführt hat. Damit wird die Geschichte ein weiteres Mal in die Zukunft fortgeführt.

Mit ”Zur Geschichte der Fraternitas Saturni” (S. 15) eröffnet der Logenhistoriker Mstr. ∴Laskaris∴ das Spektrum der Themen. Die Entwicklung der Loge wird anhand verschiedener konkreter Beispiele dargestellt. Dabei nimmt die Geschichte des Logenmantels den Löwenanteil ein. Zeitgenössische Fotografien ergänzen die Ausführungen. Dass der Ornat nicht immer in der heutigen Form existierte und verschiedene Wandlungen durchlief, ist interessant und anregend beschrieben. Dem Autor geht es dabei darum, “[a]nhand der vorliegenden Beispiele von der Rolle des Grossmeisters, der Meisterschaft der Loge und dem Logenmantel [aufzuzeigen], wie sich Vision und Realität immer weiter angenähert haben”. (S. 33). Dabei kommen andere geschichtliche Themen leider etwas zu kurz. Was der Leser vermisst, ist eine detaillierte Chronologie der letzten 100 Jahre. Die Erwartungshaltung, die der Titel “Zur Geschichte der Fraternitas Saturni” weckt, bleibt dadurch zwar unerfüllt. Zum Ausgleich wird allerdings auf die Chronologie-Internet-Seite der Bruderschaft verwiesen.

Ein “Saturnisches Blitzritual” lässt einen Blick in die Arbeit der Loge erhaschen. Hier wird der Schleier für Aussenstehend gelüftet. Mehr zu rituellen Arbeiten und Praxen folgt unten.

Die oben erwähnten mit “Im Überblick 1, usw.” betitelten Kapitel verdienen eine genauere Betrachtung.

Alle drei über das Buch verteilte Überblicke behandeln jeweils ein eigenes Thema und sind von Mstr. ∴Basileides∴ verfasst. Dies wird jedoch nicht immer so bleiben, soll doch diese “logeneigene Schriftreihe” (S. 45) mit diesem Buch lediglich eingeleitet werden. So werden künftig auch andere Autoren zu Wort kommen, wenn die Reihe in den kommenden Jahren fortgeführt wird.

Der hier vorliegende Beginn der Reihe: “Im Überblick 1” hat die Kabbala zum Thema. Sicher nicht eine der leichtesten Disziplinen in der mystischen Welt. Kommt hinzu, dass die hebräische Schrift vielen nicht geläufig ist. Zum besseren Verständnis hilft die geschichtliche Einordnung. Dadurch wird erst bewusst, wie gross der Einfluss der Kabbala auf die westliche und auch die christliche Entwicklung ist. Auf die praktischen Anwendungen wird in Auswahl (S.51ff.) eingegangen. So laden die gezeigten Anwendungen zu Selbststudium und Praxis ein. Auf den Lebensbaum wird ausführlich eingegangen: von der klassisch-rabbinischen über den Golden Dawn bis hin zur zeitgenössischen Anwendung. Eine “Meditation nach Luria” (S. 67ff.) dient dem praktischen Zugang. Schliesslich wird der Frage nachgegangen, wie sich jüdische Kabbala und Gnosis zueinander verhalten (S.72ff.). Eine weitere Praxis in Form einer Meditation schliesst den Überblick ab.

Diese Ausführungen machen den Zugang zur Kabbala einfacher. Es wird dem Interessierten viel Arbeit abgenommen, da ihm die Grundlagen eingängig präsentiert und diese im Weiteren durch umfangreiche Quellen- und Literaturverzeichnisse zugänglich gemacht werden.

Folgerichtig schliesst sich ab Seite 81 “Die R-Evolution des SATURANUS” von Mstr. ∴V.I.T.O∴ an, da seine Ausführungen mit einer modernen Interpretation des Lebensbaumes beginnen. Er berücksichtigt in eigener Weise die Transsaturnischen Planeten. Dies geht in die Betrachtung der Kombination von Saturn und Uranus zu SATURANUS und das Wassermannzeitalter über. Die ausführliche Schilderung des weltgeschichtlichen Werdegangs bis zum eigenen Untergang führt zum persönlichen, alchimistischen Weg zur Befreiung. Wie in der “Vorbemerkung” ausgeführt, sind die Darstellungen “meine persönlichen Ansichten und entsprechen keiner Logendoktrin.” (S. 81) Man mag die Geschichte durchaus auch aus anderen Gesichtswinkeln heraus interpretieren und betrachten. Jedoch kann den Aussagen ein Weckruf nicht abgesprochen werden. Vermisst habe ich, dass bei den Zitaten die Quellenangaben fehlen. Wo finde ich z.B. das Zitat von H. P. Lovecraft? Die Einordung in einen grösseren Kontext wird dadurch erschwert.

Zurück zu den weiteren “Überblicken” , tragen sie doch zu reichhaltiger Wissensvermittlung bei. In “Im Überblick 2” wird auf die Gestalt des Demiurgen eingegangen. Der Titel: “Der Demiurg – eine ambivalente Gestalt” (S. 309) weist bereits auf die Kernproblematik hin. In der Arbeit entfaltet sich denn auch die unterschiedliche Bedeutung des Begriffs “Demiurg” von Platon über die gesamte Antike (Mittlerer Platonismus, Neuplatonismus, Stoizismus, Hermetismus) bis heute. Neben vielen tabellarischen Darstellungen, die den Zugang zum Thema erleichtern und die unterschiedlichen Sichtweisen herausarbeiten, findet sich die sehr eigene, von der Fraternitas Saturni vertretene Ansicht, die eine Besonderheit darstellt, nämlich die Gleichsetzung “Kronos/Saturn = Demiurg”. Denn wie der Verfasser resümiert, “übernimmt keine einzige uns bekannte gnostische Quelle diese Denkfigur und setzt Saturn mit dem Demiurgen gleich.” (S. 325)

Ab Seite 326 wird “Der Demiurg und die Planeten” ausgeführt, wo im “Fazit” (S. 331) nochmals explizit festgestellt wird: “Es gibt keine antike Quelle, die den Demiurgen mit Saturn gleichsetzt!”

Das Ergebnis bekräftigt diese Aussage ab Seite 334ff. (siehe besonders S. 336 Carl S. O’Briens Hinweis) und führt zur “Conclusio”, die nochmals in eloquenter Weise die Erkenntnis darlegt, dass der mit Saturn gleichgesetzte Demiurg “eine mit der antiken Tradition brechende Besonderheit und ein Arkanum der Loge” (S. 338) ist.

“Im Überblick 3” schliesslich widmet sich der Betrachtung der Ars Notoria, einem mittelalterlichen Werk der Informationsmagie, um damit in ein noch heute hochaktuelles Thema einzuführen. Die Betrachtung dieses Werks, die wie gewohnt nachvollziehbar und detailliert dargeboten wird, führt in die Problematik der Künstlichen Intelligenz als mögliche “Wiedergängerin der Ars Notoria” ein. Es gibt zahlreiche Parallelen zwischen der Ars Notoria und KI (S. 441ff.). Die Meinungen der grossen Weltreligionen zu einzelnen Aspekten von KI zeigen einen “gemeinsamen Kern” (S. 447) aller Traditionen. Ab Seite 451ff. wird von den Religionen auf die Philosophie übergeleitet, wo sich Beispiele für eine fundamentale Feindseligkeit oder zumindest ausgeprägte Skepsis gegenüber einer wissenzentrierten Selbstermächtigung des Menschen (S. 451) finden. Es handelt sich dabei um ein breites Spekrum “rekonstruktive[r] Stellungnahmen” (S. 451), der Verfasser nennt sie “Philosophische Spiegelungen”, die mit Verständnis für die jeweils behandelten Philosophen elaboriert werden.

Was beim Lesen des Buchs auffällt, ist die häufige Erwähnung der Gnosis oder gar einer Saturn-Gnosis. Diese zieht sich in vielen Texten wie ein roter Faden durch das Werk. Das geschieht durchaus nicht zufällig. Eine Vielzahl der Mitglieder ist der gnostischen Weltanschauung zugeneigt. Das Gradsystem der Bruderschaft besitzt zudem einen, sich besonders mit der Gnosis beschäftigenden, Hoch-Grad.

Der Beitrag von Fr. ∴Nero∴, “Mathematische Gnosis und Mathemagie”, will “moderne Mathematik in Einklang mit einem gnostischen Weltbild” (S. 95) bringen. Ein bemerkenswertes Vorhaben, das sich wohltuend von rein metaphysischen Ansätzen abhebt.

Sowohl in diesem als auch im zweiten  Essay, vom selben Autor eingebracht (S. 349ff.), wird die Affinität zu Mathematik und Zahlen deutlich. Er weiss diese in kongenialer Weise zu nutzen. Sowohl im Zusammenhang mit Magie und Gnosis als auch im nachfolgenden Beitrag, der sich mit Hegels Seinslogik befasst. Ab S. 358ff wird “Hegels Unendlichkeitsbegriff aus mathematischer Sicht” beleuchtet.

Sicher ist der mathematische Angang nicht immer einfach nachzuvollziehen. Die Ausführungen gehen über mathematische Grundkenntnisse hinaus und sind nicht jedermann geläufig. Interessant ist dieser mathematische, wissenschaftliche Weg in jedem Fall.

Neben diesen theoretischen, fundierten Arbeiten, darf nicht vergessen werden, dass die Festschrift vor allem von den darin enthaltenen praktischen Anleitungen und Rituale lebt. Diese bilden die Quintessenz und das Epizentrum des Buches.

Das oben erwähnte “Blitzritual” bildet lediglich den Anfang.

Besonders hervorzuheben ist das, dem Chöd-Ritual des tibetischen Buddhismus als Gegenstück vorgestellte, “Anhaftungstrennende Diamantene Sichelmesser” von ∴Le Maître Vajrasat∴ (S. 127):

Eine Praxis, die auf Durchführung über einen längeren Zeitraum gedacht ist und: “kein[en] Stress, aber viel Panik!’ (S. 128) bringen soll. Tatsächlich wird damit eine schmerzhafte Demaskierung des Egos angestrebt.

Dagegen wird im “Ritual der Stele” von Mstr. ∴Phoenix∴ (S. 151) die “Macht des Neuen Äons” evoziert. Ein Ritual, das sich sowohl in der Gemeinschaft als auch allein durchführen lässt. Es wird, in etwas modifizierter Form, auch gern mit den Novizen durchgeführt. Mit den beiden eingefügten  Abbildungen werden die Stele und deren Verwendung im Ritual vorgestellt.

Das Thema der Stele wird von Mstr. ∴Sol Sat∴ In: “Das Thelemitische Saturnritual” weiter ausgeführt und mit Blick auf Aleister Crowley eingehender betrachtet. Beginnend mit der Stele (S. 293) führt die Arbeit zu einer Betrachtung des Rituals (S. 295) und letztlich zur “Herstellung der Stele” und zu verschiedenen Formen der Magie und Riten (S. 298ff.).

Die “Exerzitien der Elemente” von Mstr. ∴Sia∴ sind ebenfalls auf einen langen Zeitraum (hier ein Jahr) ausgelegt. Jedes Element schliesst mit einem dreiwöchigen Exerzitium ab. Diese Exerzitien werden detailliert vorgestellt und entfalten eine durchgängig vielfarbige Reflexion.

Einen faszinierenden Einweihungsweg zeichnet schliesslich Mstr. ∴Eleutheria∴ mit ihrem Beitrag “Eine Reise zur Freiheit mit Dante Alighieris Divina Commedia”. Diese Reise zur Freiheit beginnt mit der Reflexion über die Frage: “Bin ich unfrei? Was heisst Freiheit?” (S. 253). Danach führt der Weg, Dantes Göttlicher Komödie folgend, über die Hölle (S. 255ff.) hin zum Fegefeuer (S. 264ff). Jeder Teil der Reise wird mit einem Bericht der eigenen Erfahrung abgeschlossen und zeigt die fundamentale Ernüchterung auf, die auf diesem Weg stattfindet. Die Reise durch das Paradies (ab Seite 272) führt über die Planenten-Ebenen weiter. Jeder, der diesen Weg nachverfolgen möchte, wird andere, eigene Erfahrungen machen als die Autorin. Konsequenterweise schliesst sie mit dem Hinweis, dass es sich “um einen Erfahrungsbericht meiner magischen Entwicklung mit Hilfe der vier Elemente und den sieben Planeten” (S. 287), also einen ur-individuellen Befund handelt. Eine bemerkenswerte Arbeit, an deren Ende die Erkenntnis steht: “Nach dem Weichen der Dunkelheit fand ich meine Sonne und mein Licht. Ich fand Freiheit für mich und auch meinen inneren Frieden.” (S. 289)

Eine Kontemplation auf altägyptischen Grundlagen ist die “Meditation zum altägyptischen Konzept der Seele” von Fr. ∴Hagalaz. (S. 415) Er erklärt die grundlegenden Begriffe und den Zweck der Arbeit. Die Meditation selbst wird geführt und beginnt mit “Auslöschung” auf S. 421. Wie man sieht, können diese, vom alten Ägypten hergeleiteten Arbeiten auch den heutigen Magier in profunder Weise inspirieren.

Von Fr. ∴Xenos schliesslich wird mit “Remote Viewing” (RV) eine Methode ausführlich vorgestellt, die er selbst erlernt hat und praktiziert. Viele Skizzen, Bilder usw. untermauern die Beschreibung der Methode. Nicht, dass das RV damit allein angewendet werden kann. Vielmehr soll der Bericht an empfohlene Kurse und weiteres Studium heranführen. Der Autor weist darauf hin, dass man “durchaus versuchen (kann), das Wissen für die ersten Remote Viewing-Versuche aus Lehrbüchern oder Video-Tutorials zu erwerben’” (S. 388) und gibt dazu auch selbst Literatur an. Er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass es dabei “Stolpersteine” gibt, “die man kennen sollte und die oft nur durch Begleitung eines erfahrenen Remote Viewing-Trainers ausgeräumt werden können”. (S. 390)

Mit den “Gedanken zum Ritual” (S. 243ff.) von Mstr. ∴Maximilian∴ schliessen wir die Betrachtung  der Praxis ab. Der Autor geht dem Ursprung des Begriffs “Ritual” nach und führt auf seinen Ursprung zurück. Er zeigt auf, was erforderlich ist, um es “richtig” zu machen.

Vom selben Verfasser finden sich Gedanken zum besonders FS-relevanten Thema “Mitleidlose Liebe”. (S. 139f.) Diese Klarstellung ist verblüffend einfach, stimmig und rückt den Gedanken ins rechte Licht, wird der Begriff “mitleidlos” doch häufig und gern falsch verstanden.

Zugleich zeigt die Vielzahl und Diversität der Rituale, Meditationen und Anregungen, wie sich die Fraternitas Saturni wohltuend von streng dogmatischen Gruppierungen abhebt.

Mstr. ∴Laskaris∴ beschreibt in “Saturn Yoga” den Weg des Saturn-Magiers “zur Erlangung einer Gnosis des dunklen Lichtes”. (S. 201) Saturn Yoga ist kein starres Ausbildungsprogramm, “obwohl die profunde Kenntnis in den magischen Künsten eine unabdingbare Voraussetzung zur Arbeit mit Saturn Yoga darstellt”, wie der Autor gleich zu Beginn klarstellt. (S. 202) Mit dem Begriff Saturn Yoga wird somit ein saturnischer Weg aufgezeigt, der “die Brüder und Schwestern eng aneinander” bindet. (S. 206)

Sofern nicht der in der westlichen Welt gemeinhin vorgehaltenen Bedeutung von “Yoga” gefolgt wird, ist Saturn Yoga ein gangbarer und zutiefst magischer Weg, der deutlich mehr Beachtung verdient. Dieser wird hier praktikabel und tiefgreifend dargestellt.

Eine ausführliche Arbeit findet sich im Beitrag “Lucifer” von Mstr. ∴V.I.T.O∴ (S. 209ff.) Wer nun verschreckt zusammenzuckt und sofort an den christlichen Teufel usw. denkt, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Je nach religiöser Mythologie stellt sich Lucifer durchaus ambivalent dar. In vielen Fällen soll vermutlich auch bewusst provoziert werden. Der Autor stellt dies adäquat in Verbindung mit Musik und Film dar. Er weist darauf hin, dass für “eine grosse Anzahl christlicher Fundamentalisten” diese Art der Musik (gemeint sind Rockbands usw.) “sogar heute noch ein Synonym für den Teufel” darstellt (S. 224). Auch gegen den Ersatz der einen Religion gegen eine andere (in diesem Fall Gut/Christentum gegen Böse/Satanismus) spricht sich der Verfasser deutlich aus (S. 234f)

Zwei Kapitel beschäftigen sich mit besonderen Gradinhalten.

Da sind einmal die “Bemerkungen zum 10⁰ - Servus Tabernaculi” von Mstr. ∴Lucas∴ (S. 145ff.) zu erwähnen. Die Bedeutung des Grades wird stimmig herausgearbeitet. Tabernakel ist ein für die Gegenwart des Allerheiligsten bereiteter Ort. Dieser Ort wird vom Diener bereitet und bewacht. Eine genuine Betrachtungsweise des Grades.

Zum andern findet sich von Mstr. ∴Sach Khand∴ “Zu meiner exoterischen Praxis des 16⁰” (S. 301ff.) eine Darstellung seiner eigenen Entwicklung. Er führt kurz in die Bedeutung des Grades ein und zeigt den Unterschied zwischen dem 12⁰und 16⁰ auf. Danach erörtert er, wie er sich: als Tätigkeitsfeld, Heilung und Befreiungsarbeit ausgesucht hat. (S. 301) Zudem will er weiter darstellen: “wie eine saturnische priesterliche Arbeit im öffentlichen Kontext aussehen kann’. (ibid.) Die weiteren Ausführungen bearbeiten die Auslösung von Blockaden und wie diese entstehen respektive aufzulösen sind. Eine Meditation (Übung: Goldenes Ei, S. 305ff.) beendet die Arbeit.

Die priesterlichen Aufgaben scheinen etwas zu kurz gefasst und nicht unbedingt spezifisch für den besprochenen Grad relevant. Die dargestellten Aufgaben umfassen doch (wie er selbst schreibt) alle Meistergrade, die zugleich Priesterschaft beinhalten.

Weitere Erfahrungsberichte beschliessen diese Übersicht des Werkes.

“Magisches Arbeiten in unserer Loge” ebenfalls von Mstr. ∴Sach Khand∴ (S. 141ff.) ist ein kurzer Text, der sich mit den Genien der Saturnsphäre (S. 141) befasst. Da hätte ich mir doch noch weitere Einblicke ins magische Arbeiten gewünscht, wie es der Titel suggeriert.  

Neben diesen vielen unterschiedlichen Themen sticht auch ein Erfahrungsbericht heraus. Hier wird deutlich, wie die magische Tradition im Alltag gelebt wird. Gemeint ist der Beitrag “Hüter des Berges” der beiden Autoren Fr. ∴Lucanus und Fr. ∴Alexius. (S. 117ff.) Dabei wird zunächst über Kultstätten und deren Bedeutung berichtet. Im Besonderen wurde von der Bruderschaft in den Jahren 1961 und 1962 der Berg Ipf auserwählt, was den meisten heutigen Mitgliedern nicht mehr präsent ist. Bemerkenswert also, dass sich 2024 und erneut 2025 Logenbrüder aufmachten, den Berg zu besteigen um dort “Pan, de[n] Berg Ipf und die gelebte Tradition’” (S. 117) zu erleben. Was ihnen dort auf dem Gipfel widerfuhr, ist erstaunlich. Solch ein aus der unmittelbaren Praxis schöpfender Erfahrungsbericht passt hervorragend in die Festschrift.

Das Buch schliesst mit dem Beitrag “Das Aussergewöhnliche geschieht nicht auf glatten, gewöhnlichen Wegen” von Fr. ∴Anagarika. (S.479ff.) Der Autor beschreibt seinen ganz persönlichen Werdegang vom Novizen bis zum Neophyten und seinen bisherigen Weg in der Loge mit Blick auf die Zukunft. Die undogmatische Darstellung zeigt auf, wie die Bruderschaft arbeitet, ohne das Individuum verbiegen zu wollen. So könnte wohl jeder Bruder, jede Schwester den ganz eigenen Weg beschreiben. Wobei lediglich bleibt, was der Autor so treffend beschreibt: “ganz banal ausgedrückt, dass sie mit ihrem saturnmagischen Tun einfach nicht mehr aufhören.”

Mit dem Gruss, der in der Bruderschaft oft verwendet wird, schliesst denn das Werk, wie es im Vorwort begann, wodurch sich der Kreis schliesst:

Salutem in Nomine Demiurgi Saturni! (S. 485)

Die gesamte Aufmachung des Werks zeigt eine grosse Schaffensfreude und Begeisterung aller Beteiligten. Die vielen Abbildungen, Zeichnungen und Vignetten ergänzen die Texte sinnvoll. Sie laden zur Meditation und zum Verweilen ein. Verschiedene Künstler haben dazu ihren Beitrag geleistet, wie dies in den mit “De Arte Saturnia” betitelten Abschnitten zum Ausdruck kommt.

Gerade die Vielzahl an unterschiedlichen Arbeiten ist wohl Grund dafür, dass ein Stichwortverzeichnis fehlt, was allerdings durchaus wünschenswert gewesen wäre. Ebenso sind ein paar Beiträge wohl nur einem entsprechend informierten Leserkreis unmittelbar zugänglich. Sie zeigen aber auch, dass man jedem Mitglied die Gelegenheit gibt, seine Meinung, Erfahrung und Ansicht kundzutun.

Dagegen berührt angenehm, dass hier kein “allein seligmachendes” Dogma verkündet wird. Vielmehr atmet das Werk den als Grundsatz der Bruderschaft postulierten Geist des “Tue, was Du willst” und damit auch der Freiheit des Einzelnen. Es mag sich nicht jeder mit dunklem Licht anfreunden oder mit alternativen Auslegungen des kabbalistischen Lebensbaums. Das eigene kritische Denken ist hier offenbar durchaus Programm.

Wenn die Fraternitas Saturni in diesem, hier vorgestellten Sinne weiterarbeitet, getreu dem Leitsatz der FS (nicht in diesem Werk erwähnt): “Das Werkzeug zur Tat aber sei für uns die Liebe!”, dann kann sie ihrem Anspruch, Wegbereiter des neuen Äons zu sein, sicher gerecht werden.

Der Verlag Edition Saturn stellt sich mit dieser Publikation als ernst zu nehmender neuer Player vor. Sollten die künftigen Ausgaben mit derselben Qualität daherkommen, so wird hier ein neuer Qualitätsstandard gesetzt, den man bisher auf okkultem Gebiet meist vermisste.

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